Vor 50 Jahren: Folterungen in Südtirol

Juli 20, 2011
Anton Gostner zu Tode gefoltert

Anton Gostner zu Tode gefoltert

Dokumentation: Südtirol vor 50 Jahren -  unmenschliches Folterland

„‘Ich bin seit dem Juli 1961 auf dem linken Auge fast blind‘, erzählt ein ehemaliges BAS-Mitglied heute. Auch ihm wurde diese Behandlung zuteil. Die zwei Meter vor seinen Augen aufgestellten Lampen trockneten ihm die Hornhaut des linken Auges aus. ‚Seitdem sehe ich nur mehr einen weißen Schleier.‘ Dass das rechte Auge gerettet wurde, verdankt er dem Umstand, dass während der –zig Verhöre, denen er unterzogen wurde, die rechte Lampe ausgeschaltet wurde.“

Christoph Franceschini: „30 Jahre Feuernacht: Unsere Waffe ist der Sprengstoff und die Nacht“, Folge III,  „FF“-Magazin 26/91, S. 44)

2011: Leugnung der Tatsachen

Der mit den Stimmen der Südtiroler Volkspartei (SVP) zum Südtiroler Landtagspräsidenten bestellte ehemalige Neofaschist und jetzige Landtagsabgeordnete der Berlusconi-Regierungspartei PdL., Mauro Minniti, hatte noch im Jahre 2008 in seinem Buch Martiri invisibili. Gli anni del terrorismo in Alto Adige“ („Unsichtbare Märtyrer. Die Jahre des Terrorismus in Alto Adige“) behauptet, Folterungen von Südtiroler Häftlingen habe es nie gegeben. Diese Behauptung hatte er auf seiner Internetseite wiederholt. Durch den mit deutschen Abgeordnetenstimmen zugeschanzten lukrativen Posten des Landtagspräsidenten offenbar einsichtiger gemacht, hatte sich Mauro Minniti dann am 28. Juni 2011 im Südtiroler Landtag entschuldigt und erklärt sich, es gebe klare Beweise für die Misshandlungen.

So weit, so gut.

Landtagspräsident Mauro Minniti und Möchtegern-Politiker Alessandro Bertoldi

Den Rest des Beitrags lesen »

Feuernacht Südtirol – Warum Gewalt? Deshalb!

Juni 9, 2011
Knüppelsonntag 1960 in Bozen

Knüppelsonntag 1960 in Bozen

Warum es zur Feuernacht kommen musste – warum kein weiteres Warten auf „friedliche Mittel“ mehr möglich war!

In der rückblickenden Diskussion um den Südtiroler Freiheitskampf, der mit der Feuernacht des 11. auf den 12. Juni 1961 eingeleitet wurde, tauchen zwangsläufig in der Diskussion folgende

Fragen

auf:

* Warum konnte das Ziel, die Weltöffentlichkeit auf das Unrecht aufmerksam zu machen, nicht durch gewaltfreie Demonstrationen erreicht werden?

Antwort: Weil Südtirol in den Sechzigerjahren über keine großen unkontrollierbaren Ballungszentren verfügt, in denen eine Untergrundbewegung friedliche aber politisch wirksame Massenbewegungen hätte organisieren können.

Südtirol ist kleinräumig strukturiert und durch die Carabinieri leicht überwachbar. Diese führen in den Sechzigerjahren – seit der Faschistenzeit – in allen Ortschaften Aufzeichnungen über die politischen Gesinnungen sogar einzelner Personen und Familien. Zudem überspannt ein Netz von Spitzeln das Land.

Das ganze Land wird durch polizeilichen Terror faschistischen Zuschnittes geduckt gehalten. Die Justiz agiert mit der Hilfe immer gültiger Polit-Paragraphen des alten faschistischen Strafgesetzbuches – ein Unikum in Europa!

Angezeigt oder sogar eingesperrt wird bei jedem Anlass:

* Hissen der verbotenen Tiroler Fahne,

* Streichen von Fensterläden in den traditionellen Farben Rot-Weiß-Rot,

* Tragen der verbotenen Schützentracht,

*Zusammenstehen auf einem öffentlichen Platz und damit „Abhalten einer verbotenen Kundgebung“.

Den Rest des Beitrags lesen »

Peinlicher Historiker – Leopold Steurer

Mai 31, 2011

Die Peinlichkeit des Jahres – Leopold Steurer im „Alto Adige“-Interview

Was für ein Freiheitskampf-„Experte“ !

Am 9. Juni wird im Bozner Kolpinghaus auf einem von der Südtiroler Landesregierung/Amt für Schule und Kultur ausgerichteten „Themenabend“ zur „Feuernacht“ des Jahres 1961 der Südtiroler Lehrer und Historiker Leopold Steurer, ein Alt-68 er, als Referent „die Feuernacht aus der Sicht der Südtiroler Minderheit“ darstellen.

Leopold Steurer – eine spektakuläre Fehlbesetzung

Es ist dies eine spektakuläre Fehlbesetzung, die wohl einen konkreten politischen Hintergrund haben muss. So naiv ist man in der Landesregierung wohl nicht, dass man nicht wüsste, mit wem man es hier zu tun hat.

Dem italienischen Bozner Nationalistenblatt „Alto Adige“ vom 4. Mai 2011 kann man entnehmen, was für einen „Experten“ die Landesregierung sich hier für ihren amtlichen „Themenabend“ zum Thema der Feuernacht und des Freiheitskampfes am 9. Juni in Bozen eingefangen hat:

«Gli attivisti non erano sudtirolesi medi – Molti avevano un passato nazista»

“Die Aktivisten waren keine durchschnittlichen Südtiroler – Viele von ihnen hatten eine nazistische Vergangenheit”.

So titelte der „Alto Adige“ am 4. Mai 2011 hoch erfreut unter Verwendung eines Steurer-Sagers.

Den Rest des Beitrags lesen »

Chronik Südtirol – Feuernacht

Mai 22, 2011
Chronik Südtirol - Feuernacht

Chronik Südtirol - Feuernacht

Ein „Ex“-Neofaschist wird Südtiroler Landtagspräsident

Mai 19, 2011
Faschisten in Bozen in den 60er Jahren

Faschisten in Bozen in den 60er Jahren


Neue Verbündete in der Landespolitik – gänzlich neue Betrachtungsweise der „Feuernacht“

Seltsam, wie die Geschehnisse zusammen fallen:

Ein „Ex“-Neofaschist wird Südtiroler Landtagspräsident

Am 18. Mai 2011 wurde der ehemalige MSI-Neofaschist und jetzige „demokratische“ Landtagsabgeordnete Mauro Minnitti (von der italienischen Berlusconi-Regierungspartei PdL), mit den Stimmen der Südtiroler Volkspartei (SVP) zum Landtagspräsidenten gewählt.

Dieser Mann hat auch 2008 ein Buch mit dem (ins Deutsche übersetzten) Titel „Unsichtbare Märtyrer. Die Jahre des Terrorismus in Alto Adige“ veröffentlicht, dessen Inhalt von neofaschistischen Klischees geprägt ist. Zu diesen gehört die mehrheitlich „nazistische“ Durchsetzung der SVP unter Magnago ebenso wie die Behauptung, dass sich Südtiroler Häftlinge der Sechzigerjahre selbst verletzt hätten, um die italienischen Behörden dann der Folter beschuldigen zu können (Seite 85 des Buches).

Den Rest des Beitrags lesen »

Der „Duce“ in Bozen darf bleiben!

April 26, 2011
Durnwalder - Mussolini Relief kommt weg

Durnwalder - Mussolini Relief kommt weg

Der „Duce“ in Bozen darf bleiben!

Durnwalder hat entschieden – eine Kommission dient als Feigenblatt

Die Vorgeschichte – der Kuhhandel

Als im Jänner 2011 im italienischen Parlament ein Misstrauensantrag gegen den italienischen Kulturminister Bondi zur Abstimmung steht, geht die „Südtiroler Volkspartei“ (SVP) einen Kuhhandel mit der Regierung ein:

Die SVP-Parlamentarier stimmen nicht gegen Bondi und im Gegenzug erlauben Bondi und der Finanzminister Tremonti die Abtragung des Mussolini-Reliefs in Bozen und die Abtragung oder Umgestaltung aller anderen faschistischen Relikte in Südtirol.

Tremonti muss bezüglich des Mussolini-Monuments zustimmen, denn das Finanzgebäude in Bozen, auf welchem der Fries angebracht ist, gehört dem Finanzministerium.

Am 24. Jänner 2011 gibt der SVP-Obmann Theiner triumphierend das Ergebnis der Verhandlung mit Rom bekannt. Landeshauptmann Durnwalder verkündet: „Das Relief kommt weg!“ und die Tageszeitung „Dolomiten“ berichtet am 27. Jänner 2001: Mussolini wird vom Ross geholt.

Der rasche Schwenk Durnwalders

Die Ablehnung der italienischen Parteien in Südtirol ist allgemein und ein paar Tage später ist das Heldenzeitalter Durnwalders auch schon wieder vorbei: „Also wir können uns durchaus vorstellen, dass das Relief bleibt, wo es ist und dass man einen Künstlerwettbewerb ausschreibt, um eine neue, zeitgemäße didaktische Interpretation zu ermitteln.“

Gesagt, getan! Der Südtiroler Landtag, immerhin die Volksvertretung der Südtiroler, wird einfach übergangen und mit der Frage überhaupt nicht befasst.

Den Rest des Beitrags lesen »

Folterberichte – Südtirol 1961

April 18, 2011
Verhafteter Südtiroler

Verhafteter Südtiroler

Der unterdrückte Folterbericht des Helmut Kritzinger

Der Sarner SVP-Obmann Helmut Kritzinger war nach nahezu 9monatiger Untersuchungshaft in den Gefängnissen von Bozen und Trient in provisorische Freiheit entlassen worden. Aus Angst vor neuerlicher Verhaftung war er am 12. September 1962 nach Österreich geflohen.

Kritzinger sollte später in Österreich politische Karriere machen und es bis zum Bundesratspräsidenten des österreichischen Nationalrates bringen, der zweithöchsten Position nach dem Bundespräsidenten.

Als Kritzinger nach Österreich geflohen war, lagen der „Südtiroler Volkspartei“ (SVP) bereits zahlreiche aus den Gefängnissen herausgeschmuggelte Folterberichte vor, deren Veröffentlichung der Parteiobmann Dr. Silvius Magnago jedoch unterdrückte, um sein Verhandlungsklima mit dem italienischen Innenminister Scelba nicht zu stören.

Unter dem Eindruck der Anschläge des „Befreiungsausschusses Südtirol“ (BAS) hatte sich Rom bereit gefunden, mit der SVP über eine politische Losung der Südtirolfrage zu verhandeln. Letztlich sollten diese Verhandlungen zum Autonomie-„Paket“ von 1969 führen.

Am5. September 1961 fand in Innsbruck eine große Südtirolbesprechung statt, an welcher die Landeshauptleute Dr. Tschiggfrey (Nordtirol), Dr. Magnago (Südtirol) und der österreichische Außenminister Dr. Kreisky teilnahmen. Dort setzte Magnago durch, dass auch Wien und Innsbruck die aus Südtirol erhaltenen Folterunterlagen nicht an die Öffentlichkeit geben sollten. (Einzelheiten in: Helmut Golowitsch: „Für die Heimat kein Opfer zu schwer. Folter-Tod-Erniedrigung: Südtirol 1961 – 1969“, Edition Südtiroler Zeitgeschichte 2009, S. 323 ff)

Dieser Linie folgend wurden auch später Folterberichte unterdrückt und in amtlichen Archiven beerdigt. Darunter auch ein detaillierter Erlebnisbericht Kritzingers über seine Wahrnehmungen in den Gefängnissen von Bozen und Trient.

Er verfasste diesen am 5. Dezember 1962 für die Südtirolabteilung der Nordtiroler Landesregierung, das Referat „S“:

Der Bericht verschwand auf Wunsch Magnagos und auch Wiens hinter Aktendeckeln und wurde der Öffentlichkeit nie zugänglich gemacht.

Helmut Kritzinger:

„Wie Südtiroler von den Karabinieri gefoltert wurden.

Ich erzähle hier, wie Südtiroler Häftlinge gefoltert wurden. Es sind lauter Berichte, von den einzelnen Betroffenen mir geschildert. Viele Häftlinge sah ich mit Wundmalen, Quetschungen, Nadelstichen, Geschwulsten, Beulen und Brandwunden. Die Folterungen nahmen meines Wissens die Karabinieri vor. Außer einer kleinen Abteilung von geheimer Staatspolizei, ‚Questurini‘, die ihr Hauptquartier im Garni Eden in der Dantestraße hatten.

Die Karabinieri trugen größtenteils Uniform. Jene von Bozen standen unter dem Kommando von Hauptmann Boracci (38). Boracci erhielt im August 1962 die Versetzung nach der Insel Sardinien, nach Sassari, meines Erachtens eine Strafversetzung. In Meran hauste Hauptmann Marzollo. (45)

Den Rest des Beitrags lesen »

Mussolini und Hitler rissen gemeinsam Europa ins Verderben

April 11, 2011

Mussolini und Hitler rissen gemeinsam Europa ins Verderben

Generalproben in Bozen – Machtübernahme in Rom

Der Überfall faschistischer Terrortrupps auf den Festzug der Bozner Messe am 24. April 1921, der einen Toten und an die 50 teils schwer verletzte Opfer forderte, zeigte die Ohnmacht des italienischen Staates, der vor der Gewalt kapitulierte und die Täter nicht zu verfolgen wagte.

Das ermutigte Mussolini, ein Jahr später, Anfang Oktober 1922, noch einmal die Probe auf das Exempel zu machen. Es folgte der zweite Marsch auf Bozen. Faschistenhorden aus der Lombardei, dem Veneto und der Emilia Romagna besetzten das Rathaus in Bozen. Die Regierung in Rom kam in panischer Eile den Forderungen der Faschisten nach, setzte den deutschen Bürgermeister Perathoner ab und stellte die Stadt unter die Leitung eines Regierungskommissars.

Den Rest des Beitrags lesen »

Bozner Blutsonntag

April 2, 2011

Bozner Blutsonntag

Bozner Blutsonntag

Am 24. April jährt es sich neunzigstem Mal, daß der Faschismus erstmals in Südtirol seine häßliche Fratze gezeigt hat!

Gewalttätige italienische Horden waren zu einer „Strafexpedition“ nach Bozen aufgebrochen.

Ein Ermordeter (Franz Innerhofer) und rund 50 teils schwerverletzte Südtiroler waren die Opfer dieses von Mussolini angeordneten Überfalls.

Mit dieser Gewaltorgie, dem kurz darauf folgenden „Marsch auf Bozen“ als Test für den entscheidenden „ Marsch auf Rom“, begann  Europas Gang in das faschistische Verderben!

Bozner Blutsonntag

Bozner Blutsonntag

Tiroler sind keine Italiener – Freiheit für Südtirol

März 16, 2011
Tiroler sind keine Italiener

Tiroler sind keine Italiener


Follow

Get every new post delivered to your Inbox.