Südtirols Kulturlandesrätin Kasslatter Mur und Nordtirols Schützenkommandant Otto Graf Sarnthein:
Kasslatter Mur: Bekannt als Verteidigerin des “Grünen Frosches” und des “Siegesdenkmals”!
Den Südtiroler Schützenbund an die Kette legen !
Seit Jahren den Landes-Granden ein Dorn im Auge
Seit Jahren ist der „Südtiroler Schützenbund“ (SSB) jenen Nord- und Südtiroler Politikern, die der Tiroler Landeseinheit längst abgeschworen haben, ein Dorn im Auge.
Den Südtiroler Schützen ist es vor Jahren gelungen, sich jeglichem parteipolitischen Diktat zu entziehen und überparteilich zu entfalten.
Das hat es ihnen ermöglich, im Gedenkjahr 2009-2010 auf dem Landesfestzug in Innsbruck mit Transparenten und Willensbekundungen öffentlich für die Selbstbestimmung und die Tiroler Landeseinheit einzutreten.
Führende Politiker in Nord- und Südtirol haben darauf mit unverhülltem Zorn reagiert und die Südtiroler Schützen unverfroren und hemmungslos als Zündler, Ewiggestrige, Provokateure, Chauvinisten, rechte Stänkerer, Unruhestifter, Scharfmacher, Radikalinskis, Haß-Säer, Mißgunst-Schürer und Polarisierer beschimpft.
Dieser unglaublichen Sprache hatten sich Landeshauptmann Durnwalder (SVP), Landtagspräsident Steger (SVP), SVP-Generalsekretär Achammer, SVP-Obmann Theiner, Landeshauptmann Platter (ÖVP) und der Festzugskoordinator Khol (ÖVP) befleißigt. (Der SPÖ-Landeshauptmannstellvertreter Gschwendtner und einige „Grün“-Politiker hatten in der gleichen Tonart losgelegt, aber von denen hatte man ohnedies aufgrund ihrer bisherigen Verhaltensweisen nie etwas anderes erwartet gehabt.)
Der Nordtiroler Schützenkommandant Sarnthein führte eine unglaubliche Sprache gegenüber den Südtiroler Landsleuten
Als stets getreuer Gehilfe der Nordtiroler Polit-Granden war der Nordtiroler Schützen-Landeskommandant Otto Graf Sarnthein seiner Obrigkeit diensteifrig zur Seite gestanden.
Der hohe Finanzbeamte und stolze Besitzer des prächtigen Schlosses Schneeberg bei Trins (in welches laut „Tiroler Tageszeitung“ vom 21. August 2010 in den letzten Jahrzehnten „Unsummen“ zur Erhaltung geflossen waren), befleißigte sich dabei einer wenig gräflichen und eher ungehobelten unglaublichen Sprache.
Der mit der hohen Politik auf so gutem Fuß stehende Graf beschimpfte die Südtiroler Landsleute wegen deren Eintretens für Selbstbestimmung und Landeseinheit als „Fanatiker“. Von ihnen werde der Südtiroler Schützenbund „mißbraucht“ (Südtiroler Magazin „FF“ Nr. 22 vom 25. Mai 2009). Sie würden als „extreme politisch motivierte Kräfte versuchen, unter dem Deckmantel der Wiedervereinigung eine Radikalisierung diesseits und jenseits des Brenners herbeizuführen“ und dabei durch ihre „Provokationen“ den Landesfestzug ernsthaft gefährden. („Tiroler Tageszeitung“ vom 22. Mai 2009)
Skurril ist dabei: Der gräfliche Gegner der Tiroler Landeseinheit stammt aus einer ursprünglich südtirolerischen Familie!
Der Graf versucht ein Kuckucksei zu legen
Wie die Südtiroler Tageszeitung „Dolomiten“ am 20. März 2010 berichtete, schimpfte Graf Sarnthein gegenüber der Zeitung über „die Radikalisierung einiger Teile der Schützen“ und erklärte ausdrücklich an die Adresse der Südtiroler gerichtet: „Mit Fanatikern ist es immer schwierig zu diskutieren. Und das wirkt sich eben auch auf die gute Nachbarschaft aus.“
In seinem „Dolomiten“-Interview hatte Sarnthein noch schnell versucht, dem Südtiroler Schützenbund ein Kuckucksei ins Nest zu legen. Er sprach sich für eine „rotierende Kommandantschaft“ aus, die über die Nord- und Südtiroler Schützen sowie die Welschtiroler Kameraden gemeinsam herrschen sollte: „Am besten wäre, wenn sich der Nordtiroler, der Südtiroler und der Trentiner Landesschützenkommandant in dieser Funktion abwechseln würden. Die Amtszeit würde jeweils ein Jahr betragen.“
Damit wären die Südtiroler Schützen in zwei von drei Jahren unter Vormundschaft gestellt. In jedem dritten Jahr unter eine solche der ÖVP, welche die Nordtiroler Schützen (derzeit noch) fest unter ihrer Fuchtel hat.
Aus Südtirol kam daher als Antwort ein striktes Nein. Für den Südtiroler Landeskommandanten Bacher war der Vorschlag Sarntheins nicht akzeptabel. Er erklärte gegenüber den „Dolomiten“: „Die Landeskommandanten haben ohnehin viel zu tun, da ist es schon gescheiter, wenn es einen eigenen Obmann für den Dachverband gibt.“
Damit war das Kuckucksei wieder aus dem Nest geworfen. Für wie naiv hatte Sarnthein eigentlich die Südtiroler gehalten?
Ein neuer Versuch: Die Südtiroler-Kulurlanderätin Sabine Kasslatter Mur regt Zusammenlegung der Schützenbünde an
Die Kulturlandesrätin Kasslatter Mur macht sich ungefragt in Schützenangelegenheiten wichtig
Am 26. August 2010 wärmte die Südtiroler Kultur-Landesrätin Sabine Kasslatter Mur (SVP) das listige Sarnthein-Projekt erneut auf und gab eine Presseerklärung heraus, in welcher sie erklärte:
„‘Die bevorstehende Neubesetzung des Landeskommandanten im Südtiroler Schützenbund sowie jene seines Tiroler Kollegen ist eine gute Gelegenheit, um darüber nachzudenken, wie die Schützen nördlich und südlich des Brenners noch näher zusammenrücken könnten.‘
Die Landesrätin regt die Schützen dazu an, einen gemeinsamen Landeskommandanten für Tirol und Südtirol zu küren.
„Wenn wir uns nicht zutrauen, auch neue, auf den ersten Blick vielleicht gewagte Visionen zu entwickeln und umzusetzen, dann werden wir mit der so oft heraufbeschworenen Europaregion Tirol nicht wirklich weiter kommen. Mit einem gemeinsamen Landeskommandanten für Tirol und Südtirol würde der historischen Landeseinheit ein Gesicht gegeben und ein bedeutender Schritt in Richtung Europaregion Tirol gesetzt“, sagt Kasslatter Mur, die, wie sie betont, sich keineswegs in die Zuständigkeiten der Schützen einmischen, sondern lediglich einen Gedankenanstoß geben möchte.“
Wie nicht anders zu erwarten war, zeigte sich der SVP-Obmann und Landesrat Richard Theiner umgehend begeistert von dem Vorstoß seiner Kollegin: „Die, die am lautesten für die Landeseinheit schreien, sollten schon längst nur noch einen Schützenchef haben und nicht auf die Schwierigkeiten bei der Umsetzung verweisen.“ („Tiroler Tageszeitung“ vom 28. August 2010)
Graf Sarnthein: Die Befreiung Südtirols von der italienischen Herrschaft hieße „eine neue Grenze zu ziehen!“
Wie nicht anders zu erwarten, zeigte sich auch der Nordtiroler Schützenkommandant Otto Graf Santhein begeistert von dem Kasslatter-Vorschlag und erklärte: „Das ist eine langjährige Forderung von mir und wäre ein großer Schritt in Richtung Landeseinheit.“ („Tiroler Tageszeitung“ vom 28. August 2010)
Sarnthein schränkt jedoch ein: „Die Umsetzung wäre zurzeit eher schwierig.“ Dies nicht zuletzt, weil bei den Südtiroler Schützen „die Extremen“ den Ton angeben. „Helmut Gaidaldi (Anmerkung: Bezirksmajor des Schützenbezirkes Burggrafenamt-Passeier) und seine Anhänger wollen ja den Freistaat – das hieße ja, eine neue Grenze zu ziehen.“ (Sarnthein gegenüber der Tageszeitung „Dolomiten“, Ausgabe vom 27. August 2010)
Für wie dumm hält der Graf seine Landsleute?
Hier muß man sich fragen: Für wie dumm hält der Herr Graf Sarnthein eigentlich seine Tiroler Landsleute und seine Schützenkameraden, wenn er ihnen solchen Schwachsinn auftischt? Er will ihnen weis machen, dass die Landesteilung nicht existiert und dass Südtirol offenbar nicht mehr unter italienischer Herrschaft steht, weil es in der EU ohnedies bereits mit Nordtirol vereinigt sei.
Sarnthein behauptet, dass die Freiheit Südtirols im Rahmen eines in der EU beheimateten „Freistaates“ das Ziehen einer neuen Grenze durch Tirol bedeute und daher abzulehnen sei. Flugs wird in der verdrehten Sarnthein-Darstellung so aus der bestehenden Landesteilung eine „Landeseinheit“, aus der Befreiung von der Fremdherrschaft eine neue „Landesteilung“!
Die Wahrheit ist doch die: Da Österreichs ÖVP- und SPÖ-Politiker nicht daran denken, auf die Landeseinheit Tirols hin zu arbeiten, bleibt den Südtirolern gar nichts anderes übrig, als zunächst eine Freistaatslösung anzustreben. Die auch nur eine Zwischenlösung sein soll, bis Österreichs Politiker sich bereit zeigen, ihre Feigheit und ihren Opportunismus zu überwinden und der Landeseinheit zuzustimmen.
Südtiroler Schützenbund begeistert: auch Landtage zusammenlegen! – Gesamttirol verwaltet durch den Ein-Tirol-Landtag!
Landeskommandant Paul Bacher: Ein gemeinsamer Landtag für ganz Tirol.
Zunächst jedenfalls reagierte der Südtiroler Schützenbund noch am gleichen Tag des Kasslatter-Vorschlages mit feinem Spott. Der Landeskommandant Bacher veröffentlichte folgende Presseerklärung (Hervorhebungen durch TID):
„Schützenbund begeistert: Vorschlag von Kasslatter Mur geht nicht weit genug – auch Landtage zusammenlegen!
BOZEN – Der Südtiroler Schützenbund gibt sich in einer Presseaussendung begeistert von der Gesamttiroler Haltung, die Kulturlandesrätin Sabina Kasslatter Mur anlässlich der anstehenden Neuwahlen in beiden Schützenbünden an den Tag legt. Es sei nur zu begrüßen, wenn sich die Politik, nach den beeindruckenden Kundgebungen des Tiroler Volkes am vergangenen 20. September in Innsbruck nun ernsthaft Gedanken macht, wie die Menschen in Tirol näher zusammenwachsen können.
Landesrätin Kasslatter Mur kommt mit ihrer Forderung im Grunde nur jener des Schützenbundes nach, der seit Jahren ein Zusammenwachsen aller Institutionen dies- und jenseits des Brenners anmahnt. In diesem Sinne geht der Schützenbund sogar einen Schritt weiter und fordert die Politiker dies- und jenseits des Brenners dazu auf, sich ernsthafte Gedanken über die Zusammenlegung der Landtage zu machen. Schon allein öffentliche Willensbekundungen der Politiker in dieser Richtung könnten – unabhängig von der momentanen staatsrechtlichen Umsetzbarkeit – Meilensteine in der Geschichte Tirols sein.
Sorgen macht dem Südtiroler Schützenbund die praktische Umsetzung des Vorschlages der Landesrätin. Landeskommandant zu sein ist allein schon in Südtirol eine Vollzeit-Aufgabe, die derzeit – wie alle anderen Ämter im Schützenbund –ehrenamtlich ausgeübt wird. Während andere Verbände derselben Größenordnung (ca. 5.500 Mitglieder) mit ungleich größeren Finanzmitteln ausgestattet sind, fristet der Südtiroler Schützenbund diesbezüglich ein Mauerblümchendasein. Gerade mal ein einziger hauptamtlicher Mitarbeiter kann vom Südtiroler Schützenbund zur Abwicklung der Büroarbeit beschäftigt werden.
Auf alle Fälle will sich der Südtiroler Schützenbund demnächst mit Landesrätin Kasslatter Mur treffen, um eine weitere Aufwertung des Schützenwesens zu besprechen.
Mjr. Paul Bacher
Landeskommandant“
Soweit der etwas ironische Pressedienst des Südtiroler Schützenbundes. Ja, diesem Gespräch darf man gespannt entgegen sehen, gibt Frau Kasslatter Mur doch vor, eine Fachfrau für Fragen des Schützenwesens, des Patriotismus und der Landeseinheit zu sein.
(Weitere Angaben zur vaterländischen und sonstigen Qualifikation der Landesrätin Kasslatter Mur finden sich im Anhang am Ende der TID-Dokumentation!)
Vorschlag:
Der Traum: Zusammenlegung der Landesregierungen und der Landesverwaltungen in der „Europaregion Tirol“
Man kann noch weiter gehen als der Südtiroler Schützen-Landeskommandant Bacher. Wie uns Platter und Gesinnungsgenossen – eifrig beklatscht durch Leute wie Sarnthein – ununterbrochen verkünden, ist die Landeseinheit in der EU bereits erreicht.
Da kann es dann nicht nur einen gemeinsamen Landeshauptmann und einen gemeinsamen Landtag geben, sondern folgerichtig auch nur noch eine einzige Landesregierung und eine einzige Landesverwaltung.
Der enorme Vorteil wäre auch, dass man zum Vorteil der Steuerzahler eine ganze Reihe Politiker einsparen würde.
Als natürliche Folge dieser einheitlichen Führung und Verwaltung des in der EU längst vereinigten Tirol muß dann auch die Zusammenlegung aller Landesgesellschaften und vom Lande abhängiger Körperschaften erfolgen: Eine gemeinsame Autobahnverwaltung, eine gemeinsame Energieversorgung, ein gemeinsamer Tourismusverband – die Liste lässt sich fortsetzen.
Das alles bedeutet eine ungeheure Geldersparnis. In schweren Zeiten wie diesen ein Gebot der Stunde!
Doch Scherz beiseite: Das alles ist natürlich nur ein Traum. Die Wahrheit sieht anders aus, wie das Beispiel der Milchvermarktung in Tirol anschaulich zeigt:
Die Wahrheit: Nicht einmal eine Milch-„Euregio“ – Die Politiker bringen nicht einmal bei der Milchvermarktung eine gesamttiroler Lösung zustande
Das Logo der “Tirol Milch”: Bald Vergangenheit?
Wie wenig gesamttirolerisch gedacht wird, wenn es um das liebe Geld geht, zeigt die Diskussion über die Zukunft der Nordtiroler bäuerlichen Genossenschaft „Tirol-Milch“ mit etwa 5.000 Nordtiroler bäuerlichen Zulieferern.
Die Genossenschaft ist wirtschaftlich ins Schleudern geraten und ist unter den für den Bauernstand verheerenden EU-Rahmenbedingungen als zu kleiner Betrieb (bei einem Jahresumsatz von mehr als 150 Millionen Euro!) nicht mehr lebensfähig. Der Betrieb schreibt Verluste.
Der ehemalige EU-Kommissar Franz Fischler macht sich nicht für die Gesamttiroler Lösung stark.
Sie soll nun von der mehrfach größeren oberösterreichischen „Berglandmilch“ (etwa 610 Millionen Euro Jahresumsatz) mit Haut und Haaren geschluckt werden. Was übrigens der ehemalige EU-Kommissar Franz Fischler – aus welcher Interessenslage heraus auch immer – gegenüber dem ORF-Tirol heftig befürwortet (tirol.orf.at vom 29. 08. 2010).
Nordtirols Landeshauptmann Platter will das nicht. Er will eine enge Zusammenarbeit der „Tirol Milch“ mit Südtirol, die wohl darin bestehen würde, dass die Nordtiroler den Südtiroler Milchmarkt schlucken und den Zugang zu dem oberitalienischen Markt erhalten würden, um ihre Überschussmilch los zu werden.
Die Südtiroler Milchbetriebe wollen sich aber weder direkt noch indirekt schlucken lassen und auch der Südtiroler Landeshauptmann Durnwalder ist dagegen. In der Vergangenheit hat die „Tirol Milch“ nämlich den Südtiroler Milchbauern auf dem oberitalienischen Handelsketten-Markt mit Dumpingangeboten die Preise und damit die Stimmung verdorben.
Der Nordtiroler Landeshauptmann Günther Platter fordert nun patriotische Einigkeit ein. Die Tiroler Landeseinheit spricht er nicht an. Diese ist gegenüber Rom ein Tabu-Thema. So muß also wieder einmal die Phantom-„Euregio Tirol“ herhalten. Für die Milch!
Platter (links) drängt mit der „Tirol Milch“ nach Südtirol und beschwört die „Euregio“. Durnwalder (rechts) wehrt ab. Das ist das „in der EU wiedervereinigte Tirol“, wie es leibt und lebt.
Platter erklärt also die Frage der Milch-Fusion zu einer heiligen „Euregio Tirol“-Aufgabe.
Als Verbündeten hat er dabei die „Tiroler Tageszeitung“, die weiß, wo die Inserate herkommen und dass es wirtschaftlich nicht von Schaden ist, sich mit der Landespolitik gut zu stellen. Die Zeitungs-Redaktion, der ansonsten gesamttiroler Emotionen so etwas von wurscht sind, steigt an Platters Seite lauthals propagandistisch ein.
Die „Tiroler Tageszeitung“ bringt am 28. 08. 2010 gleich auf Seite 1 die Schlagzeile „Euregio Tirol: Platter mahnt Projekte ein“ und verkündet: „Die Entwicklung bei der größten Tiroler Molkerei, der Tirol-Milch, führt jetzt zu einer Debatte über die Europaregion Tirol. Die seit 20 Jahren forcierte Zusammenarbeit der Landesteile des historischen Tirol, Nord-, Ost- und Südtirols mit dem Trentino, steht auf dem Prüfstand.“ Dann wird Platter zitiert: „Wir müssen aufpassen, dass es nicht nur bei leeren Worten bleibt!“
Es wird leider wohl bei den leeren Worten und dem sinnlosen Geschwätz über die Phantom-„Euregio“ bleiben, das nur der öffentlichen Entlastung der Politiker dient. Diese haben den Weg der Vernichtung des heimischen Bauerntums zugunsten der Agrar-Großindustrie in der EU vorbereitet und auf allen politischen Ebenen mit beschlossen. In Wahrheit ist sich jeder selbst der Nächste. Um die Interessen der kleinen und mittleren Bauern ist es in der österreichischen und in der EU-Politik noch nie gegangen. Das wird aber den meisten Betroffenen viel zu spät aufgehen.
Anhang:
Kasslatter Mur: Die Verteidigerin des grünen Frosches und des „Siegesdenkmales“
Auf der Welle des Zeitgeistes – Hoppla: Ein Frosch ist in die Quere gekommen!
Die 1963 geborene ehemalige Journalistin Dr. Sabine Kasslatter Mur war von Februar 1999 bis Dezember 2003 Landesrätin für die deutsche Schule sowie deutsche und ladinische Berufsbildung, von 2003 bis 2008 Landesrätin für Familie, Denkmalpflege und deutsche Kultur. Bei den Landtagswahlen 2008 wurde Kasslatter Mur erneut gewählt. Sie ist zuständige Landesrätin für die deutsche Schule, Denkmalpflege, Bildungsförderung, deutsche Kultur und Berufsbildung.
Die Südtiroler Landesrätin Kasslatter Mur: Stets auf der Welle des Zeitgeistes
Auf der Welle des Zeitgeistes und der Beliebigkeit fühlt sich die Südtiroler Landesrätin für die deutsche Schule, Denkmalpflege, Bildungsförderung, deutsche Kultur und Berufsbildung besonders wohl und wäre damit auch gut gefahren, wäre ihr nicht im Jahre 2008 ein
grüner gekreuzigter Frosch in die Quere gekommen. Und das war so passiert:
Im Mai 2008 stellte das Bozner Kunstmuseum „Museion“ ein Kunstwerk der besonderen Art aus.
Es handelte sich um einen grün angestrichenen gekreuzigten Frosch mit heraus hängender Zunge, der in der rechten an das Kreuz angenagelten Hand einen Bierkrug und in der linken Hand ein Ei hielt.
Der Künstler Martin Kippenberger (links), sein „Selbstportrait in Unterhose“ (Mitte) und der in seinem Auftrag geschnitzte grüne Frosch, der in der Folge als Kippenbergers eigenes „Werk“ ausgegeben wurde.
Wie nicht anders zu erwarten und wohl auch beabsichtigt gewesen war, fühlten sich die Katholiken Südtirols in ihrem Glauben verhöhnt, während sich die Kulturlandesrätin Kasslatter Mur bemüßigt sah, die Provokation zu verharmlosen und zu verteidigen.
Der Künstler: Ein drogensüchtiger Schweralkoholiker und Provokateur
Der Initiator (nicht aber Schöpfer) dieses in den Augen der Südtiroler Kulturlandesrätin Kasslatter Mur offenbar bedeutenden Kunstwerkes war ein begnadeter deutscher Schweralkoholiker, Drogensüchtiger und Kunstschaffender namens Martin Kippenberger, von dem seine Schwester berichtet, dass er beim Essen mit wichtigen Museumsleuten gerne „am Tisch gefurzt“ hatte. („Welt Online“, 7. 3. 2007) Der Künstler und Tischfurzer war bereits im Jahre 1997 im Alter von 44 Jahren an akutem Leberversagen gestorben.
Auf seiner Internet-„Fan“-Seite http://kippenberger.sehrgut.de/das-stimmt-ja-alles-nicht.php ist ihm folgendes Andenken gewidmet:
„Martin Kippenberger, 1953 geboren und am 7. März 1997 gestorben, Maler, Performer, Bildhauer und Vorzeigearschloch der wilden, lauten, westdeutschen Männerkunst, war eine Legende…“
Der in Bozen ausgestellte grüne Frosch gehört zu einem Zyklus von 6 hölzernen gekreuzigten Fröschen, die der legendäre Kippenberger durch einen Tiroler Holzschnitzer hatte anfertigen lassen und die er in der Folge unter dem Titel „Zuerst die Füße“ als sein eigenes Werk ausgab.
Während die Kuratorin des Bozner „Museions“ allen Ernstes in Verteidigung des gekreuzigten Frosches meinte, Kippenberger habe sich selbst in der Schaffensphase als „Gekreuzigter“ gefühlt, denn der Künstler habe zum Zeitpunkt der Entstehung einen Alkohol- und Drogenentzug gemacht, tat Susanne Kippenberger, die Schwester des verstorbenen Frosch-Schöpfers, in der deutschen Tageszeitung „ Der Tages Spiegel“ vom 1. September 2008 sehr offenherzig kund, was ihr Bruder mit dem Frosch hatte ausdrücken wollen (Hervorhebungen durch TID):
„Die gekreuzigte Comicfigur ‚Fred the Frog‘ ist seine Antwort auf den Jesuskitsch, den er in Tirol antraf. Dort saßen die Säufer unter Jesus am Kreuz in der Kneipe. Jedes Jahr war Martin in Tirol in der Kur, vier Wochen ohne Alkohol, Ferien vom extremen Künstlerleben, nicht aber von der Kunst. Von einem Herrgottschnitzer ließ er eine ganze Serie von Fröschen anfertigen. Eine Provokation des Moralisten gegen Heuchelei und Frömmelei.“
Die „Welt Online“ vermeldete ergänzend am 29. August 2008 zur Motivation dieses „Moralisten“ Kippenberger:
„Eine andere Variante des gekreuzigten Frosches gehört dem Hamburger Sammler Harald Falckenberg. Sie trägt den Titel: ‚Was ist der Unterschied zwischen Casanova und Jesus? – Der Gesichtsausdruck beim Nageln‘“.
Landeshauptmann Durnwalder: „Nicht ganz holla im Kopf!“
Durnwalder reagierte als normaler Mensch: „Da muss einer nicht ganz holla im Kopf sein!“
Der Südtiroler Landeshauptmann Luis Durnwalder reagierte auf den gekreuzigten grünen Frosch als normaler Mensch, der seine Sinne noch beinander hat: „Das ist einfach eine Respekt- und Geschmacklosigkeit. Da muss einer nicht ganz holla im Kopf sein, um so etwas zu machen.“ („Südtirol Online“). Diözesanbischof Wilhelm Egger forderte, auf die religiösen Gefühle der Menschen mehr Rücksicht zu nehmen und Papst Benedikt erklärte in einem Brief an den Südtiroler SVP-Politiker Dr. Franz Pahl, dass die Skulptur „die religiösen Gefühle vieler Menschen verletzt hat, die im Kreuz ein Symbol der Liebe Gottes und unserer Rettung sehen“.
Nun musste auch die Zeitgeist-Reisende Kasslatter Mur Stellung nehmen, was ihr gar nicht passte.
In der Klemme zwischen modern-sein-wollen und der Wählerschaft
Da saß nun die Frau Landesrat Kasslatter Mur – zuständig auch für das „Museion“ in Bozen – in der Klemme zwischen modern-sein-wollen und ihrer mehrheitlich gut katholischen Wählerschaft.
Das verflixte „modern-sein wollen“ verbot ihr eine Stellungnahme des normalen Menschenverstandes, wonach es Jedermann unbenommen sei, sich zuhause grüne gekreuzigte Frösche an die Wand zu hängen, während eine derartige Religionsverhöhnung aber nichts in einer öffentlichen mit Steuergeldern finanzierten Einrichtung zu suchen hat.
Man kann der politischen Linken viel vorwerfen, aber nicht, dass sie gänzlich humorlos sei.
Jedenfalls beobachtete die linke Kultur-Szene Südtirols nun erheitert den skurrilen Eiertanz, den die Frau SVP-Kulturlanderätin Kasslatter Mur vollführte, um einerseits als „fortschrittlich“ zu erscheinen, andererseits aber doch bei dem katholischen Volk nicht ganz in Ungnade zu fallen.
Rettung in vernebelndem Geschwätz
Die Landesrätin suchte ihre Rettung in vernebelndem Geschwätz. Sie gab zwar zu, dass Gefühle verletzt werden könnten, pochte aber darauf, dass solche „Kunst“ nur besser erklärt werden müsse:„Es geht nicht um politische Einflussnahme auf die Kunst, sondern um mangelnde Sensibilität und fehlende Vermittlung“. (Pressemitteilung des Landespresseamtes vom 30. Mai 2008)
Diese bislang fehlende Kunst- und Sensibilitäts-Vermittlung nahm sie auch gleich selbst energisch in die Hand. Eine Pressemitteilung des Landespresseamtes vom 19.06.2008 gibt ihren peinlichen Schwafel-Beitrag zur Kunsterklärung so wieder:
„‘Der Frosch wird hinter der Text- und Bilderflut der Medienkampagne verschwinden, die in den letzten Wochen um ihn geführt wurden. Durch die veränderte Präsentation geschieht mit dem Werk nun das, was in der öffentlichen Diskussion passiert ist. Die mediale Spiegelung des Werkes, die Texte und Bilder schieben sich zwischen Werk und Betrachtung. Der Frosch ist verdeckt und rückt in den Hintergrund‘, so die Landesrätin weiter. Die darauf hinweist, dass auf diese Weise der öffentliche Diskurs über zeitgenössische Kunst und die Medienkampagne ins Museion zurückgeholt werden: ‚Die Argumente und Überlegungen zum Werk schieben sich in den Vordergrund und bieten Gelegenheit zum Dialog über die Wertigkeit und Wirkung von Symbolen, die zeitgenössische Kunst, das Verhältnis von Kunst und Kirche und anderes mehr.‘“‘
Soweit der Landespressedienst in der Wiedergabe des Kasslatter-Blabli-Blabla.
Kasslatter Mur: Öffentliche Frosch- und Wertediskussion hätte mit Alkoholikern geführt werden müssen
Landeshauptmann Durnwalder hatte überhaupt keine Freude. Weder mit dem grünen Frosch, noch mit seiner eiertänzerischen Kulturlandesrätin, die er notgedrungen in der Öffentlichkeit verteidigen musste.
Bald tauchten im Internet Karikaturen auf. Eine italienische Karikatur zeigte Durnwalder neben dem Frosch als ebenfalls Gekreuzigten, der seinen tierischen Leidensgenossen gequält fragt: „Wie geht es dir?“.
In Jänner-Ausgabe 2009 der unabhängigen Monatszeitschrift „Brixner“ gab die Frau Landesrätin in einem Interview der Museumsleitung die Schuld daran, das Volk über den Kippenberger-Frosch nicht genügend aufgeklärt zu haben. Hätte man die Leute nur ordentlich belehrt, so hätten sie das Kunstwerk schon verstanden. Das liest sich so:
„Zum Beispiel hätte sie im ganzen Land Kultursäle anmieten können, sie hätte den Pfarrer, einen Künstler und vielleicht einen Alkoholiker einladen und mit ihnen das Werk Kippenbergers öffentlich diskutieren können. Das ist der Auftrag der zeitgenössischen Kunst: Sie muß das Bewusstsein der Bevölkerung erweitern und einen Denkprozess anregen. Wir sollten miteinander in Diskussion treten, um gemeinsam festzustellen, welche die kulturellen Werte sind, die unsere auch Tiroler Gemeinschaft verbindet. All das ist verabsäumt worden, und das ist mein großer Vorwurf.“
Nun ja, die öffentliche Diskussion mit Alkoholikern über den gekreuzigten Frosch, „um gemeinsam festzustellen, welche die kulturellen Werte sind, die unsere auch Tiroler Gemeinschaft verbindet“, hätte ja ganz lustig werden können.
Südtirol ist kein Kindergarten und Kasslatter Mur nicht die Tante
Ob freilich öffentliche Alkoholiker-Diskussionen zur Aufgabe eines Museums gehören, ist fraglich und offen bleibt auch die Frage, ob das arbeitende Volk sich dieser Kasslatter’schen Kulturaufgabe gestellt hätte. Immerhin handelt es sich bei Südtirol nicht um einen überdimensionalen Kindergarten mit der Frau Kasslatter Mur als Kindergartentante.
Das biedere Volk wusste also mit dem Kasslatter-Geschwafel wenig anzufangen und schien vielmehr zu meinen, die Frau Kultur-Landesrätin sei vielleicht selbst „nicht ganz holla im Kopf“, um mit Landeshauptmann Durnwalder zu sprechen. Jedenfalls waren die Leute auf Frosch und Landesrätin gleichermaßen beleidigt. Über die Reaktionen berichtete Kasslatter Mur im „Brixner“:
„Ich habe kiloweise Briefe bekommen, auch anonyme, mit Schimpftiraden. Mein Mann wurde mit ‚Froschkönig‘ tituliert. Menschen haben sich bekreuzigt, wenn sie mich auf der Straße gesehen haben. Vor 200 Jahren hätte man mich wahrscheinlich verbrannt.“
Verteidigerin des Siegesdenkmales – Andreas Hofer „kritisch hinterfragen“
Bislang war Frosch-Spezialistin Kasslatter Mur auch noch nie als Fachfrau für Schützenangelegenheiten oder gar als engagierte Vorkämpferin für die Tiroler Landeseinheit aufgefallen.
Die Landesrätin Kasslatter Mur trat zusammen mit dem aus Volterra nach Südtirol zugewanderten „Grün“-Politiker Riccardo Dello Sbarba (links) dafür ein, das faschistische „Siegesdenkmal“ (rechts) nicht zu beseitigen, sondern mit Erklärungstäfelchen zu „musealisieren“.
Sie war außer ihrer Frosch-Verteidigung vielmehr dadurch aufgefallen, dass sie im Jahre 2008, als die Südtiroler Schützen gegen die faschistischen Denkmäler in Südtirol demonstriert hatten, zusammen mit dem „Grün“-Politiker Riccardo Dello Sbarba dafür eingetreten war, das faschistische Siegesdenkmal in Bozen nicht zu schleifen, sondern nur zu „musealisieren” – sprich: Mit erläuternden Täfelchen zu versehen.
Im Gedenkjahr 2009 hatte die flach auf der Woge des Zeitgeistes surfende Landesrätin dann einen besonders tiefschürfenden Beitrag geliefert, indem sie gegenüber der Tageszeitung „Dolomiten“ (Ausgabe vom 19. Februar 2009) erklärt hatte, dass die „kritische Arbeit am Mythos Hofer im Mittelpunkt“ stehe und man „Helden hinterfragen und aktualisieren“ müsse. Man solle „keine unkritische Heldenverehrung“ üben, sondern „eine kritische Auseinandersetzung mit dem Mythos Andreas Hofer“ führen und eine „patriotisch-verengte Sicht“ überwinden.
Das Wählervolk strafte sie ab – kein Zugpferd für die SVP – Will sich die erfolglose Politikerin bei ihren Parteioberen Liebkind machen?
Heute wird man in Tirol nicht mehr verbrannt – diesbezüglich braucht sich die Frau Landesrat keine Sorgen zu machen – sehr wohl aber bei Wahlen abgestraft. Kasslatter Mur war zu Beginn ihrer Politkarriere in den Medien bereits als künftige Südtiroler Landeshauptfrau gehandelt worden. Sie hatte jedoch bereits bei den Landtagswahlen 2003 (also nach 5 Jahren Landesrätin für Schule) 9.300 Vorzugsstimmen verloren. Bei den Landtagswahlen 2008 (also nach 5 Jahren Landesrätin für Kultur, Familie und Jugend) verlor sie weitere 12.500 Vorzugsstimmen und halbierte damit ihre Vorzugsstimmen auf 12.934.
Es ist fraglich, ob sie bei den nächsten Landtagswahlen es nochmals schafft. Viele Landsleute meinen, es wäre nicht schade darum, sie in der politischen Versenkung verschwinden zu sehen.
In dieser Situation wird erklärlich, dass es Kasslatter Mur drängt, sich bei ihren Parteioberen Liebkind zu machen. Sie läuft nämlich Gefahr, in ihrer eigenen Partei für entbehrlich gehalten zu werden. So kann man ihren Vorstoß in Sachen Schützenbund wohl als Aktion interpretieren, die der Parteispitze sagen soll: Seht, wie ich eure Politik unterstütze!
Auf die Dauer freilich werden solche Kandidaten der SVP nicht gut tun.
