Casa Pound – faschistische Demo in Bozen 2011

Casa Pound Bozen mit Faschistengruss im Sarntal

Casa Pound Bozen mit Faschistengruss im Sarntal

Bevorstehende faschistische Demo in Bozen am 5. März 2011

Die schwarze Welt der Anhänger von „Casa Pound“

Am 5. März 2011 will die Organisation „Casa Pound“ im Verbund mit der neofaschistischen italienischen Landtagspartei „Unitalia“ und mit einigen Tausend „Casa Pound“-Aktivisten aus ganz Italien in Bozen für den Erhalt der faschistischen Denkmäler in Südtirol demonstrieren.

„Bolzano ist Italien – Das, was mit Blut der Helden geschrieben wurde, kann man nicht mit dem Speichel der Politiker auslöschen“ steht auf dem Plakat geschrieben, welches für den 5. März zum „Nationalen Umzug in Bolzano“ aufruft. Ein weiteres Plakat verkündet im Namen von „Casa Pound“ und der neofaschistischen Partei „Unitalia“: „Kein Kompromiss ist die Identität eines Volkes wert“ und zeigt als Symbol dieser italienischen „Identität“ das faschistische Siegesdenkmal mit seinen Liktorenbündeln und Mussoliniköpfen auf der Fassade.

Auf tausenden Flugblättern, die bereits in Bozen verteilt wurden, hat „Casa Pound“ dem Minister Bondi, welcher dem Land Südtirol die Zuständigkeit für die faschistischen Denkmäler im Lande zugesprochen hat, folgende Worte in den Mund gelegt:

„Danke! Ich habe die italienischen Denkmäler in Bolzano ebenso wie das vergossene Blut deiner Großväter für zwei österreichische Stimmen im Parlament verkauft.“

Der Verbündete von „Casa Pound“ bei der bevorstehenden Demonstration in Bozen: Donato Seppi von der neofaschistischen „Unitalia“ (ganz rechts im Bild – wie immer bei solchen Anlässen mit Alpini-Hut ausstaffiert – bei einer Kranzniederlegung vor dem faschistischen Siegesdenkmal in Bozen)

Die „Südtiroler Volkspartei“ (SVP) hat bereits öffentlich gegen dieses Vorhaben protestiert.

Für die breite Öffentlichkeit ist „Casa Pound“ kein Begriff. Deshalb sei diese in Italien beunruhigend erstarkende und von der offiziellen Politik wohlwollend geduldete neofaschistische Bewegung hier näher vorgestellt:


Der Beginn: Eine Hausbesetzung

Am 26. Dezember 2003 besetzte in Rom eine Gruppe von Aktivisten ein leer stehendes in staatlichem Besitz befindliches Gebäude in der Via Napoleone III Nr. 8.

Die Hausbesetzer erklärten, das Haus sei ab nun ein „soziales Zentrum“ mit Namen „Casa Pound“ („Haus Pound“), benannt nach dem amerikanischen Dichter Ezra Pound, welcher während des Zweiten Weltkrieges zum Hofstaat Mussolinis gehört und über den italienischen Rundfunk Propaganda für den Faschismus betrieben hatte.

Weitere Besetzungen und Ausbreitung auf ganz Italien

Das „Centro Sociale Casa Pound“ („Soziales Zentrum Haus Pound“) wurde von der römischen Stadtverwaltung unter dem Titel einer Kulturinstitution wohlwollend geduldet und erwies sich bald als Keimzelle einer neofaschistischen Bewegung, die in Nachahmung linker Hausbesetzungen in ungemein raschem Tempo zahlreiche weitere Häuser in Rom besetzte und dann mit Hausbesetzungen auf andere Städte in ganz Italien übergriff.

Eine faschistische Subkultur entstand, die bis heute von militantem Aktivismus und einer regen Veranstaltungstätigkeit geprägt ist.

Im Jahr 2006 ging „Casa Pound“, mittlerweile eine öffentlich in Erscheinung tretende Bewegung, ein vorübergehendes Bündnis mit der neofaschistischen Partei „Movimento Sociale Italiano“ (MSI) ein, was zur Folge hatte, dass sich ganze Sektionen dieser Partei der Bewegung „Casa Pound“ anschlossen.

Eine zentrale Organisation mit zahlreichen Sektionen in ganz Italien

Der Anführer von „Casa Pound“, Gianluca Iannone, vereinigte im Jahr 2008 alle über ganz Italien verstreuten 51 Sektionen zu einer gemeinsamen Organisation „Casa Pound Italia“ (CPI) mit Hauptsitz und Verwaltung in der „Casa Pound“ in Rom, dem ersten besetzten Haus. Iannone deklarierte die zentrale Organisation als „kulturelle Vereinigung für den sozialen Fortschritt“.

Die Vereinigung wurde staatlich offiziell anerkannt und kann seitdem für ihre „kulturellen“ und „sozialen“ Aktivitäten auch staatliche Subventionen in Anspruch nehmen. Die Folge waren weitere Hausbesetzungen in ganz Italien und das Entstehen zahlreicher lokaler Zentren.

Tatsächlich wird auch kulturelle Tätigkeit ausgeübt. Dichterlesungen, Autorentreffen, Rockkonzerte, künstlerische und politische Veranstaltungen tragen zur Ausbildung einer speziellen Subkultur bei, die sich an faschistische, aber auch futuristische Vorbilder anlehnt.

Heute verfügt „Casa Pound“ über eigene Bibliotheken und einen eigenen Rundfunksender „Radiobandieranera“ („Radio Schwarze Fahne“) mit 21 Lokalredaktionen, einen TV-Sender, zwei Zeitschriften, eine Theatergruppe, über zwei Sportschulen, zwei Sportmannschaften, eine Fallschirmspringergruppe und eine Tauchergruppe.

Szenenkultur, Aktvismus und Kult der Gewalt

Vor allem aber entwickelt „Casa Pound“ auf Rock-Musikveranstaltungen eine ekstatische Szenenkultur.

Diese geht nahtlos in Aktivismus auf der Straße und in gewalttätige Auseinandersetzungen mit politischen Gegnern über.

Tradition und Kult der Gewalt – offenes Bekenntnis zum Faschismus

Der „Blocco Studentesco“ ist die Schüler- und Studentenorganisation von „Casa Pound“. An den Gymnasien und Universitäten in ganz Italien wurde diese Organisation rasch zu einem Auffangbecken einer seelisch vereinsamten Jugend, die sich in der bürgerlichen Ordnung nicht wiederfindet, für die aber auch das linke Spektrum keine Anziehungskraft mehr besitzt. Dieser „Block“ tritt vor allem auch bei öffentlichen Demonstrationen und bei Straßenschlachten mit politischen Gegnern in das Licht der Öffentlichkeit.

Diese Jungen pflegen einen Stil, der sich aus dem Hochhalten alter Traditionen und Werte, demonstrativem Zeigen faschistischer Symbolik einschließlich des „Saluto Romano“, des faschistischen Grußes mit erhobener rechter Hand, und einem Kult der Gewalt zusammen setzt.

Zusammenarbeit mit Exponenten der Berlusconi-Partei „Popolo della Liberta“ (PdL)

„Casa Pound“ gibt sich patriotisch und erklärt bei jeder Gelegenheit seine Solidarität mit Carabinieri und Alpini.

Seit der Vereinigung der Berlusconi-Regierungspartei „PdL“ mit den Neofaschisten der „Alleanza Nazionale“ (AN) treten auf lokaler Ebene auch „PdL“-Exponenten ungeniert gemeinsam mit den Anhängern von „Casa Pound“ auf Kundgebungen auf.

Symbolik

Eine große Rolle spielt bei der Bewegung „Casa Pound“ die Symbolik. Die Farbe Schwarz steht für den Faschismus. Die Bewegung betont ihr „Cuore Nero“ – ihr „schwarzes Herz“ und benützt auch gerne das „Keltenkreuz“ und die „Siegrune“ als Symbole.

Auf Publikationen wird das Gesicht des „Duce“ Mussolini ebenso gezeigt wie der faschistische Gruß durch „Casa Pound“-Anhänger.

Die Anhänger tragen in Anlehnung an den historischen Faschismus gerne schwarze Kleidung.

Das offizielle Zeichen der Bewegung ist eine oktagonal gestaltete Schildkröte, die „tartaruga“. Die in sich geschlossene Zahl 8 symbolisiert die Unendlichkeit und die Schildkröte steht für die Ausdauer, die Langlebigkeit der Ideen.

„Faschisten des dritten Jahrtausends“ – „Der Faschismus von heute, das ist Casa Pound !“

Mussolini-Nostalgie: Schwarzhemd, faschistische Uniform und faschistische Kopfbedeckungen

Die politischen Ideen sind oft wenig reflektiert. Viele Anhänger hat das Suchen nach Geborgenheit in einer Gemeinschaft in die Reihen von „Casa Pound“ geführt. Gegenüber dem Magazin „L’Espresso“ (Ausgabe vom 21. Mai 2009) erklärte der jugendliche Aktivist Pandoro: „Faschist sein, bedeuten für mich vielerlei. Vielleicht ist es eine Doktrin, vielleicht eine Art des Lebens, aber das Schönste war für mich die Begegnung mit Gianluca Iannone. Für mich ist er wie ein großer Bruder, er ist immer für uns da. Casa Pound ist für mich einfach Alles. Ich kann dir nun sagen: Der Faschismus von heute, das ist Casa Pound.“

Francesco Polacchi, ein Anführer des „Blocco Studentesco“, erklärte gegenüber der Zeitung „Repubblica“ auf die Frage, ob er und seine Anhänger sich als „Faschisten des dritten Jahrtausends“ sehen, Folgendes: „Sicherlich. Das gefällt uns sehr gut. Wir sind keine Nostalgiker, aber für uns ist der Faschismus ein Bezugspunkt.“

„Casa Pound“ und die faschistische Gleichsetzung von Nation und Staat

In ihrem Programm stellt die Bewegung „Casa Pound“ ihre Auffassung von Staat und Nation dar, indem sie deren Gleichsetzung – oder mit anderen Worten: Die Verwirklichung einer einheitlichen Nation in einem einheitlichen Staat – propagiert. Das ist die faschistische Sichtweise, die keine kulturelle und sprachliche Diversität und keinen Stellenwert ethnischer Minderheiten vorsah und vorsieht.

Im offiziellen Programm von „Casa Pound“ (www.casapounditalia.org) wird in Punkt 1 über Staat und Nation in etwas vorsichtiger Sprache, aber doch in der Zielsetzung sehr eindeutig, ausgeführt:

Die nationale Wiedereroberung: Die italienische Nation muss zu einem Organismus werden, der über Ziele, Leben und Aktionsmittel verfügt, die an Kraft und Ausdauer jene der getrennten oder zusammengefassten Individuen übersteigen, die diesen Organismus bilden. Die Nation muss zu einer moralischen, politischen und wirtschaftlichen Einheit werden, die sich vollständig im Staat verwirklicht.“

Um diese Auffassungen in Bozen zu propagieren, kommt „Casa Pound“ am 5. März 2011 nach Bozen. Man wird sehen, ob der Anblick dieser Leute auf Bozens Italiener sehr werbend wirken wird. Die europäische Öffentlichkeit wird mit Interesse konstatieren, dass im heutigen Italien der Faschismus bereits wieder salonfähig geworden ist.

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2 Antworten zu „Casa Pound – faschistische Demo in Bozen 2011“

  1. Dolomitengeist sagt:

    Los von Rom:Südtiroler Freiheitskampf
    Der deutschsprachige Kultursender Arte brachte einen Bericht
    unter den Titel
    Patriotisch: Südtiroler Freiheitskampf

    http://dolomitengeisteu-dolomitengeist.blogspot.com/2011/02/los-von-romsudtiroler-freiheitskampf.html

  2. Dolomitengeist sagt:

    Los von Rom-Süd-Tiroler Freiheit: „Faschistenaufmarsch eine Provokation“
    http://dolomitengeisteu-dolomitengeist.blogspot.com/2011/03/los-von-rom-sud-tiroler-freiheit.html

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